Biography

A life between art and medicine

Hilko Weerda’s artistic development was never separate from lived experience. Places, family, clinic and studio form the resonant space of an oeuvre unfolding over more than seven decades.

Erlangen · Nürnberg

Der Anfang ist plastisch

1950 zog die Familie von Emden nach Erlangen. In den Werkgruppen seines Kunstlehrers Theo Seyfert arbeitete Hilko Weerda bald mit Ton, Stein, Holz und Emaille. Zeichnung und Plastik standen am Anfang; die Freundschaft mit Seyfert blieb ein Leben lang bestehen.

Nach der Aufnahmeprüfung studierte er 1958/59 an der Kunstakademie Nürnberg: Bildhauerei bei Hans Wimmer und als Gast Malerei bei Fritz Griebel. Die tägliche Arbeit am lebensgroßen Akt und die Verbindung von Anatomie, Material und Form wurden prägend.

In 1950 the family moved from Emden to Erlangen. In the workshops led by his art teacher Theo Seyfert, Hilko Weerda soon worked with clay, stone, wood and enamel. Drawing and sculpture came first; his friendship with Seyfert lasted a lifetime.

After passing the entrance examination, he studied at the Nuremberg Academy of Fine Arts in 1958/59: sculpture with Hans Wimmer and painting as a guest student with Fritz Griebel. Daily work from the life model and the link between anatomy, material and form proved formative.

Studentenausweis der Kunstakademie Nürnberg von Hilko Weerda, 1958
Studentenausweis der Kunstakademie Nürnberg, 1958. · Abb. 40
Hilko Weerda mit Professor Hans Wimmer und einem Akademieschüler
Akademieschüler mit Professor Hans Wimmer. · Abb. 40a

Erlangen · München

Zwei Studien, eine fortgesetzte Praxis

1959 wechselte Weerda auf Wunsch seines Vaters in das Studium der Medizin und Zahnmedizin in Erlangen und München. Die Kunst verschwand nicht: Skizzenbücher, Aquarelle und kleine Emaillearbeiten begleiteten die Studienjahre; von 1961 bis 1963 unterrichtete er Emaille an einer Freizeiteinrichtung der amerikanischen Armee in Herzogenaurach.

1965 heiratete er die Zahnmedizinstudentin Barbara Wissel. Im selben Jahr wurde Sohn Jan geboren, 1969 Tochter Sabine. Parallel löste sich die Malerei zunehmend vom Gegenstand: frühe informelle Emaillearbeiten und ab 1962 gestisch-tachistische Ölbilder markieren den Übergang zur Abstraktion.

In 1959, at his father’s request, Weerda changed course to study medicine and dentistry in Erlangen and Munich. Art did not disappear: sketchbooks, watercolours and small enamels accompanied the years of study; from 1961 to 1963 he taught enamel at a US Army recreation facility in Herzogenaurach.

In 1965 he married dental student Barbara Wissel. Their son Jan was born that year, followed by their daughter Sabine in 1969. In parallel, the paintings moved increasingly away from representation: early informal enamels and gestural, tachist oils from 1962 mark the transition to abstraction.

Hilko Weerda als Kursleiter eines Emaillekurses in Herzogenaurach, 1960
Als Kursleiter beim Emaillekurs in der „Herzo Base“, 1960. · Abb. 30
Barbara und Hilko Weerda nach ihrer kirchlichen Trauung, 1965
Barbara und Hilko Weerda nach der kirchlichen Trauung, 19. April 1965. · Abb. 58

Freiburg · Bad Krozingen

Beruf, Familie, Atelier

Seit 1968 arbeitete Weerda an der Universitäts-HNO-Klinik Freiburg. 1973 bezog die Familie ein Haus in Bad Krozingen; im Dachgeschoss entstand ein Atelier, Keller und Hof boten Raum für plastische Arbeit. Nach der Habilitation 1974 gewann die Kunst wieder mehr Platz im Alltag.

Satellitenbilder regten informelle Ölbilder an, ab 1979 kam Farbspray hinzu. 1977 zeigte das Haus der Ärzte in Freiburg seine erste große Einzelausstellung mit Malerei und Plastik.

From 1968 Weerda worked at Freiburg University ENT Clinic. In 1973 the family moved into a house in Bad Krozingen; the attic became a studio, while the basement and courtyard provided space for sculpture. After his habilitation in 1974, art regained more room in everyday life.

Satellite images inspired informal oil paintings, and from 1979 spray paint became another medium. In 1977 the Haus der Ärzte in Freiburg presented his first major solo exhibition of paintings and sculpture.

Explore the medical life’s work
Haus der Familie Weerda in Bad Krozingen, 1973
Haus in Bad Krozingen; im Dachgeschoss lag das Atelier. · Abb. 61
Prof. Chlodwig Beck überreicht Hilko Weerda 1974 die Habilitationsurkunde
Übergabe der Habilitationsurkunde durch Prof. Chlodwig Beck, 1974. · Abb. 65

Lübeck

Eine neue Stadt, ein neues Gefüge

1987 übernahm Weerda die Leitung der Universitäts-HNO-Klinik Lübeck. Mit dem Wechsel begann ein intensiver beruflicher Abschnitt; zugleich setzte er die künstlerische Arbeit mit leuchtenden Spraybildern fort und begann, sich stärker mit dem deutschen Informel zu beschäftigen und Werke zu sammeln.

Das historische Wohnhaus in der Julius-Leber-Straße verband Familie, Stadtgeschichte und Kunst. Die Malerei entwickelte sich vom expressiven Bild zu freier, flächiger Abstraktion; gegen Ende des Jahrzehnts wurde Acryl zum zentralen Material.

In 1987 Weerda took over the University ENT Clinic in Lübeck. The move began an intensive professional period; at the same time he continued making luminous spray paintings and became increasingly engaged with German Informel, beginning to collect works.

The historic house on Julius-Leber-Straße brought family life, the city’s history and art together. The paintings moved from expressive imagery towards freer, flatter abstraction; by the end of the decade acrylic had become the central medium.

Explore the medical life’s work
Hilko Weerda im Chefarztzimmer der Lübecker Universitäts-HNO-Klinik
Hilko Weerda im Chefarztzimmer der Lübecker Klinik. · Abb. 96b
Gartenseite des Wohnhauses der Familie Weerda in der Lübecker Julius-Leber-Straße
Gotische Rückseite des Lübecker Wohnhauses. · Abb. 97a
Straßenseite des Wohnhauses der Familie Weerda in der Lübecker Julius-Leber-Straße
Klassizistische Vorderseite des Lübecker Wohnhauses. · Abb. 97b

Lübeck · Julius-Leber-Straße

Das Atelier wird Gegenwelt

1991 mietete Weerda im Nachbarhaus einen stillgelegten Malerbetrieb mit zwei großen Räumen und überdachtem Vorplatz. Hier entstanden farbige, vollständig abstrakte Bilder auf Papier und Leinwand. Wegen einer Überempfindlichkeit seiner Frau gegen Ölfarben und Lösungsmittel arbeitete er fortan mit Acryl.

Presseporträts beschrieben die scheinbar getrennten Tätigkeiten nun ausdrücklich zusammen. Der Titel „Ein Meister in zwei Welten“ von 1993 wurde zum zeitgenössischen Dokument einer Identität, die Weerda selbst nie als Widerspruch verstand.

In 1991 Weerda rented a disused painting workshop in the neighbouring building, with two large rooms and a covered forecourt. Here he made colourful, fully abstract works on paper and canvas. Because his wife had developed a sensitivity to oil paint and solvents, he worked in acrylic from then on.

Press profiles now explicitly described the two seemingly separate pursuits together. The 1993 headline “A master in two worlds” became a contemporary document of an identity that Weerda himself did not understand as a contradiction.

Hilko Weerda bei einem großformatigen Bild im Lübecker Atelier, 1991
Neues Atelier in der Julius-Leber-Straße, ab 1991. · Abb. 98a
Hilko Weerda mit informellen Bildern im überdachten Vorhof seines Lübecker Ateliers
Der überdachte Ateliervorhof mit neuen informellen Bildern. · Abb. 98b
Zeitungsartikel Ein Meister in zwei Welten über Hilko Weerda, 1993
Künstlerporträt „Ein Meister in zwei Welten“, Ärzte Zeitung, 1993. · Abb. 107a

Freiburg-Ebnet

Rückkehr und räumliche Freiheit

Im Juli 2002 kehrten Hilko und Barbara Weerda nach Freiburg zurück. Im Haus in der Steinhalde entstand ein 90 Quadratmeter großes Atelier; auf der gegenüberliegenden Straßenseite folgte eine Werkstatt für Holz, Stein und Metall.

Schweißkurse bei Sabine Herrschaft, die er 2003 und 2004 mit seinem Sohn Jan besuchte, öffneten den Weg zu farbig gefassten Stahlplastiken. Zugleich entstanden großformatige Malerei, Collagen, Teerbilder und ab etwa 2004 gestreckte Farbstreifen mit Stahl- und Gummirakeln.

In July 2002 Hilko and Barbara Weerda returned to Freiburg. A 90-square-metre studio was created in the Steinhalde house, followed by a workshop for wood, stone and metal across the street.

Welding courses with Sabine Herrschaft, attended with his son Jan in 2003 and 2004, opened the way to painted steel sculptures. At the same time he produced large-format paintings, collages, bitumen works and, from around 2004, elongated bands of colour applied with steel and rubber squeegees.

Atelier im Keller des Hauses in Freiburg-Ebnet
Atelier im Keller des Hauses in der Steinhalde. · Abb. 119
Werkstatt von Hilko Weerda in Freiburg-Ebnet mit Werkzeugen und Skulpturen
Werkstatt für Holz, Stein und Metall gegenüber dem Wohnhaus. · Abb. 120
Hilko Weerda mit Teilnehmern eines Schweißkurses in Merdingen, 2003
Schweißkurs bei Sabine Herrschaft in Merdingen, 2003. · Abb. 139a

Atelier · Werkstatt · Galerie

Material bleibt offen

In der Malerei verdichteten sich großformatige, ineinanderlaufende Farbbewegungen. In der Werkstatt blieb Stahl zentral, wurde aber spielerisch mit Computerplatinen verbunden; daneben entstanden weiterhin Arbeiten aus Holz und Stein.

2016 eröffnete Weerda eine private Galerie in der Steinhalde 39. Ausstellungen, Atelier und Werkstatt bildeten nun ein enges Geflecht aus Produktion, Begegnung und Rückblick auf ein über Jahrzehnte gewachsenes Werk.

In the paintings, large-format movements of flowing colour became denser. Steel remained central in the workshop, while being playfully combined with computer circuit boards; works in wood and stone also continued.

In 2016 Weerda opened a private gallery at Steinhalde 39. Exhibitions, studio and workshop now formed a close network of making, encounter and reflection on an oeuvre developed over decades.

Porträt von Hilko Weerda als Bildhauer in seiner Werkstatt
„Der Bildhauer“ in seiner Werkstatt. · Abb. 148

Ordnen · Weiterarbeiten

Das Werk wird zum Archiv

In den 2020er Jahren rückte die Ordnung des künstlerischen Lebenswerks durch Buch und Website in den Mittelpunkt. Das Archiv versteht sich dabei nicht als Abschluss: 2022 nahm Weerda die Rakeltechnik mit selbst gebauten Plexiglasrakeln in neuer Form auf.

Kleine Originale auf Weihnachtskarten setzen zugleich eine jahrzehntealte persönliche Tradition fort. Biografie und Werk bleiben damit in Bewegung – zwischen Erinnerung, Material und der nächsten Arbeit.

In the 2020s, organising the artistic life’s work through a book and website moved to the centre. The archive is not conceived as an ending: in 2022 Weerda returned to the squeegee technique in a new form, using self-built Plexiglas tools.

Small originals on Christmas cards continue a personal tradition stretching back decades. Biography and work thus remain in motion—between memory, material and the next work.

Von Hilko Weerda selbst gebaute Plexiglasrakeln verschiedener Größe
Selbst gebaute Plexiglasrakeln verschiedener Größe. · Abb. 157a
Hilko Weerda, riga, Rakelbild von 2022
„riga“, 2022/1, Rakelbild, 100 × 70 cm. · Abb. 157e